
Zu Text und Bild bei Leonardo da Vinci; Eine mediengeschichtliche Kritik des Einsatzes verbaler und visueller Darstellungsmittel in der italienischen Renaissance
Zu Text und Bild bei Leonardo da Vinci; Eine mediengeschichtliche Kritik des Einsatzes verbaler und visueller Darstellungsmittel in der italienischen Renaissance (Paperback)
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Description
Aus Leonardos künstlerischem Werk und seinen umfangreichen schriftlichen Ausführungen werden von der Kunstgeschichte häufig Zusammenhänge abgeleitet, die einer genauen Ãberprüfung nicht standhalten. Die Vorstellung vom Universalgenie erweist sich zu groÃen Teilen als Wunschkonstruktion. Leonardo, der sich selbst auch als schreibender Wissenschaftler versteht, vermag sich schriftlich nicht systematisch auszudrücken und seine durch Beobachtung und Zeichnung gewonnenen Erkenntnisse zu ordnen. Auf tausenden von Blättern ist kaum ein einziges Notat länger als eine Seite und zwischen den vielen Einzelnotizen fehlen übergeifende geistige Verknüpfungen. Für wesentliche Werke kann es zudem keinerlei Einfluà der Texte auf seine Praxis geben, denn Leonardo bleibt bis etwa zu seinem 35. Lebensjahr schriftstellerisch stumm. Seine Bildsprache ist jedoch schon aufs höchste ausdifferenziert, viele bedeutende Werke sind vollendet, bevor ihr Urheber die erste theoretische Zeile zu Papier bringt. Auch seine Zeichentechnik hat Leornado zu diesem Zeitpunkt bereits perfektioniert. Sein Einsatz von Text und Bild erfordert daher eine genauere Untersuchung. Mit welcher Zielsetzung und welchen Mitteln Leonardo zeichnen und schreiben muÃ, zeigen die Befragungen von Leonardos Exkursionen u. a. in die Bereiche der Anatomie, Technik, Perspektive, Proportion, Komposition und des Sfumato sowie auch die Analyse des Layouts seiner Notizbücher. Zusammengeführt werden die Beobachtungen zu wörtlichen, zeichnerischen und gemalten Weltdeutungen in einer Analyse des auch für die Leonardo-Rezeption paradigmatischen Blattes: Mann-im-Kreis-und-Quadrat. Unausgesprochen, aber nachweisbar, vereinen die Bereiche Text und Bild kein kohärentes Wissensgebäude, sondern das Verlangen nach Autonomie der Kunst. Selbst in den Irrtümern des schriftstellernden Wissenschaftlers unternimmt Leonardo nichts anderes als die radikale Befreiung des Bildes.
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